Bild Pferde HP_2

Beispiel einer Berechnung des Erhaltungsbedarfes

Der Erhaltungsbedarf eines 500 kg schweren Pferdes beträgt 60 MJ täglich. Mit Erhaltungsbedarf ist die Konstanterhaltung der Körpermasse und der Körpertemperatur sowie der elementaren Funktionen des Organismus (Atmung, Verdauung, Kreislauf, usw) gemeint.

 

Aus den diversen Heuanalysen die ich auf den Tisch bekommen habe, sind Werte von 7.5 bis 8.5 MJ verdauliche Energie pro Kg Heu nicht selten anzutreffen (um die Berechnung zu vereinfachen, nehme ich hier die Werte in kg Futter und nicht in kg Trockensubstanz).

Das heisst konkret, dass ein 500 kg schweres Pferd, das täglich 10kg Heu bekommt, zwischen 75 und 85 MJ Energie NUR über das Raufutter aufnimmt. Spätestens hier sollte einem klar werden, dass die Versorgung DEUTLICH über dem (Erhaltungs-)Bedarf liegt. 
 
Nun ein Wort zum Energiebedarf bei Bewegung:  In einer Stunde Schritt braucht ein Pferd 4-8 MJ zusätzlich; im Trab sind es 12–32 MJ/Std., je nach Geschwindigkeit oder Anstrengung (z.B. Bergtrab, tiefer Sand etc.). Im Galopp kann dies sogar bis zu 45 MJ / Std ausmachen (bei einem Rennpferd natürlich noch mehr). Dies sind natürlich nur Richtwerte. Die tatsächlichen Werte variieren von Tier zu Tier und dessen Konditionszustand und der Natur des Bodens.
 
Konkret heisst dies, dass unsere „Freizeitpferde“, die täglich ca. 1 Std geritten werden (viel Schritt, etwas Trab und nur wenige Minuten Galopp, wenn überhaupt), im Durchschnitt sage und schreibe 10-15 MJ zusätzliche Energie benötigen. Mit den Zahlen die oben aufgeführt worden sind, sollte nun jedem Klar sein, dass die benötigte Energiemenge, KOMPLETT über die Raufutterversorgung gedeckt wird.
Nicht selten sehe ich aber Pferde, die beachtliche Mengen an Kraftfutter dazu bekommen. Als Beispiel: 1 kg Hafer enthält rund 11 MJ Energie. Dies entspricht fast 2kg Heu! 1 Kg Hafer wird in ca. 15 Minuten verschlungen… wobei das Pferd für 1 kg Heu ca. 40 Minuten benötigt.
Nochmals zur Berechnung: 10kg Heu + 1 kg Hafer = 80 + 11 = 91 MJ. 
Bedarf: 60 + 15= 75 MJ…. Dieser Energiebedarf wäre also voll und ganz durch die alleinige Raufutterfütterung erreicht.
 
Um diese Differenz auszugleichen, müsste das Pferd täglich über 2 Stunden gründlich  bewegt werden (damit meine ich, dass das Pferd ins schwitzen kommt und nicht nur spaziereren geführt wird oder etwas Bodenarbeit macht) was, seien wir ehrlich, den wenigsten von uns gelingt (dazu zähle ich mich übrigens auch 😉 .
 
Dies kann im Winter ganz speziell zu Problemen führen, da die Pferde meistens kaum noch auf die Weide gehen können um die überschüssige Energie so  loszuwerden. Auch hat nicht jeder Reiter eine Reithalle in der Nähe und so werden die Pferde meistens im Winter deutlich weniger bewegt als im Sommer. Und dann staunen viele Reiter, dass ihre Pferde in Bocklaune sind…
 
Aus diesem Grund appeliere ich die Reiter, die Fütterung ihrer Pferde nochmals zu überdenken, im Sinne ihrer eigenen Sicherheit! In erster Linie sollte immer die Kraftfuttermenge reduziert werden, NICHT die Raufuttermenge.
 

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